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Israelis in Berlin

Israelis in Berlin

In November 2013 saß ich im Berliner Sababa Restaurant und genoss ich einen Teller Hummus. Kurz davor hatte ich ein Diskussionsrunde über die Frage "Israelis in Deutschland" verlassen. Und da das Sababa Restaurant um die Ecke war, ließ mir mein Heimweh weder Wahl noch Zweifel. Ich entschied mich für Hummus.

Das Restaurant war fast leer. Zwei Typen kamen herein, die ganz schnell eine Debatte zum hochkochen bringen sollten. Für mich gab es keinen Zweifel, dass die beide Journalisten waren. Zu jener Zeit fingen die israelische “Horden“ an, Richtung Deutschland zu marschieren und mich überrasche es nicht im geringsten, dass das israelische Fernsehen Ihnen einen Kommissar nach Berlin hinterher schickte.

Jüdische Mama

Wir Israelis als Kollektiv wirken manchmal wie ein passiv-aggressiver Stereotyp der jüdischen Mama, die sich um die verreisten Kinder sorgt und konstant sagt, dass die Kinder zurückkehren müssen, sonst stirbt sie. Und genau wie ich es einer jüdischer Mama gesagt hätte, hab ich den sorgfältigen "Fremden" im Restaurant entgegnet, dass es mir super geht und dass sie sich nun um mich keine Sorge machen sollen und auch um keinen anderen Israeli, der im Ausland wohnt.

In Deutschland sah man diese heiße Debatte zunächst nicht. Seit ca. drei Jahren brennt diese Debatte über "Israelis in Berlin", zwischen den Israelis, die in Berlin sind und den Journalisten, die es nicht sind. Ich glaube, es gab in der israelischen Vergangenheit keine israelische Emigrantengruppe, die so kollektiv dramatisiert, romantisiert und attackiert wurde, wie diese. Dies geschah 2013,  als die Ergebnis Ergebnis der Parlamentswahl bekannt wurde. Netanjahu wurde wiedergewählt, und die "Anführer" der Proteste von 2011 wurden als Politiker gewählt. Ich erinnere mich, dass anstatt des Themas Sicherheit,  die wirtschaftliche Ungleichheit im Brennpunkt war.


"Ich ziehe nach Berlin"


Eine Phrase wurde etabliert und ist zum Meme geworden: "Ich ziehe nach Berlin" war die Antwort vieler, die sich über die wirtschaftliche Situation und die hohen Immobilienkosten im Staat Israel beschwerten. Sogar bis heute kann man die kontroversen und diffamierenden  Meinungsartikel in der Zeitung Haaretz lesen, die diese Debatte nicht sterben lassen. In 2014 kam der Pudding Protest, der zuerst den Deutschen gezeigte, was für ein "heißes Eisen" "Israelis in Berlin" für Israelis überall geworden war. Mir wurde aber definitiv übel, als die deutschen Medien die Israelis in Berlin als eine Art israelische Flüchtlinge dargestellten, was einer katastrophalen Umschreibung der Realität gleichkam. Manche Menschen waren von der wirtschaftlichen Situation Israels frustriert und sind es immer noch. Viele westliche Länder waren 2008 von der Krise betroffen und irgendwie kriegen die westlichen Einwanderer selten die politische Bezeichnung als "Flüchtlinge".          

Damals wollte ich keine richtige Kritik ausdrücken, da ich neu in Deutschland war. Der Millki bzw. Pudding Protest war noch nicht geschehen und ich wollte meiner "jüdischen Mama" nicht zeigen, dass mich das juckt. Aber jetzt lasse ich alles Gift gerne raus.

Also müsste ich dieses Interview heute geben, würde ich folgendes zum Thema "Israelis in Berlin sagen" sagen:

Ich finde, dass das Thema Israelis in Deutschland 70 Jahren nach dem Verbrechen bzw. dem Holocaust ein interessantes Thema ist, allerdings sind mir die Israelis in Berlin egal. Berlin ist nicht Deutschland, nicht typisch deutsch, es ist international und demzufolge wohnen so viele Israelis dort.  Außerdem ist Berlin extrem billig zum Wohnen, billiger als viele andere deutsche Großstädte. Im Vergleich zu London, Paris oder New York ist Berlin unfassbar günstig.

Die Vorwürfe mancher deutscher Medien, dass die Großzahl der angekommenen Israelis "Flüchtlinge" gewesen wären, ist ein schlechter Witz. Mir persönlich ist es zum Kotzen, wie weit manche Medien in der deutsche Linke gehen werden, um die Politik Israels als illegitim darzustellen. Das Argument, dass Israelis mit Linke Orientierung nach Deutschland einwandern, da sie von der Politik Israelis bedroht würden, ist total lächerlich. Es versteht sich von selbst, dass Berlin im Allgemeinen sehr attraktiv für Menschen mit politisch linken Meinungen ist, also nicht nur für Israelis!

An alle Israelis, egal ob Berliner oder nicht, die damals den Begriff "Flüchtlinge" aus Protest für sich verwendet haben: Ich finde es ausgezeichnet, dass dieser Trend gestorben ist, jetzt da echte Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Sonst wäre es echt peinlich.

Und schließlich für die israelischen Medien und das israelische Publikum, die so gerne die Rolle eine jüdischen Mama spielen wollen: Können wir nicht stolz auf unsere Jugend sein? Darauf, dass sie, nachdem sie ins Erwachsenenleben eingestiegen sind, immer noch den Mut haben ihre Träume im Ausland zu verfolgen?
Und übrigens, ich habe schon eine Mamal'e, die sich stetig um mich sorgt. Könnt ihr bitte endlich damit aufhören? 

 

   

 

 

 

     

 

The problem with #Israelisburning

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