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Östliches Abenteuer

Östliches Abenteuer

Ein Jude im Osten

Hallo noch mal lieber Leser. Ich freue mich, mich nochmal an euch zu wenden. Letzte Woche habe ich meinen Blog veröffentlicht. Das war ein großer Schritt für mich. Auf einmal hatte GanzErlich 600 Views. Heute habe ich auch eine Facebookgruppe für GanzErlich eröffnet. Also wenn ihr kein Twitter habt, könnt ihr Updates per Facebook erfahren. Das war mein kleines Update an euch und nun zum nächsten Post.

Vor kurzem wurden zwei Artikel, in der Süddeutsche Zeitung und Die Zeit, über die Radikalisierung Ostdeutschlands veröffentlicht. Ich möchte noch nicht über die AFD schreiben, da ich meine Erfahrungen in Deutschland relativ chronologisch erzählen will und vor drei Jahren gab es noch keine AFD. 2013 bin ich nach Lutherstadt Wittenberg in Sachsen Anhalt gezogen. Um ganz erlich zu sein, war ich nicht überrascht vor kurzem zu hören, dass die AfD 24% der Stimmen in Sachsen Anhalt gewonnen hat. Die beiden Artikel, die ich diese Woche gelesen habe, haben mir nichts Neues gezeigt. Ja, es gibt ein Problem in Ostdeutschland, das habe ich selber gesehen. Aber lasst mich von vorne anfangen.

Während dem letzten Jahr meines Studiums, suchte ich einen Job im Bereich Politik. In Israel ist es sehr schwer, einen solchen Job zu finden. Das Konzept eines Praktikums gibt es kaum und entweder man findet einen Job und hat eben keinen. Das heißt, es ist manchmal sehr schwer einen Job zu finden.  Ein Beispiel: In Bereich Politik in Israel werden nur weniger Politikwissenschaftsabsolventen beschäftig. Nachdem sie die Idee aufgegeben haben, einen Job in der Politik zu finden, fangen sie in anderen Bereich zu suchen. Das war keine Option für mich. Mir wäre dies einer Zeitverschwendung gleichgekommen, nach der harten Arbeit des Studiums, einen Job in einen anderen Bereich anzunehmen.  Ich fing daher an meine Suche kreativer zu gestalten. Eines Tages sah ich eine Anzeige für ein Freiwilliges Soziales Jahr in Deutschland in einer israelischer Jobbörse. Ich habe mich dafür beworben und fünf Monaten danach war ich schon im Flugzeugin Richtung Deutschland.

Die Wahl für Lutherstadt Wittenberg war mir sehr klar. Ein Jahr Freiwilligendienst in Deutschland, Auslanderfahrung, Arbeitserfahrung sammeln: Das waren die Hauptgründe meines Umzugs. Alles andere war nicht relevant. Zu jenem Zeitpunkt (vor dieserReise) hatte ich schon paar deutsche Freunde, die ich in Israel kennen gelernt hatte, die meine Idee, ein Jahr in Ostdeutschland zu verbringen, überhaupt nicht guthießen. Sie glaubten, dass Ostdeutschland kein Platz für einen Israeli sei. Erlich, wusste ich überhaupt nicht was ihr Problem war. In Israel habe ich genauso viele Chancen von einem anderen Israeli aus meinem Volk erstochen zu werden, als in Ostdeutschland von einem frustrierten Nazi. Ich war und bin immer noch der Meinung, dass jedes Land sein „Back Yard“ hat. Ein Platz, auf das kein Land stolz ist und nicht nur weil die Menschen, die dort leben, sich vielleicht asozial benehmen, sondern weil auch das Land, diese Menschen vernachlässigt hat.

Ich möchte in einem meiner nächsten Posts über meine Begegnungen mit Rechtsradikalen in Lutherstadt Wittenberg erzählen. An dieser Stelle möchte ich lieber über meine erste Begegnung mit der Stadt selbst berichten und was für ein Schock das am Anfang für mich, ach ja, und was für einer. Ich wurde von einem Kollegen am Flughafen Tegel begrüßt und nach 45 Minuten ICE Fahrt waren wir in Wittenberg. Es war stark bewölkt und dunkel und nirgendwo Menschen zu sehen. Wir waren allein. Ich fuhr zu der Wohnung, die für das ganze Jahr in Lutherstadt mein Zuhause sein sollte und lernte meinen Mitbewohner kennen, einen echten tollen Berliner Kerl. Zusammen sind wir einem unserer Nachbarn begegnet. Meine Güte, was für Aussprache! So viele ÖÖs und ÜÜs und OOs und UUs. Auch wenn ich damals Deutsch fließend gesprochen hätte, hätte ich diesen Dialekt niemals verstanden. Obwohl am Ende jenen Jahres dann gut Deutsch konnte, war ich noch immer nicht in der Lage, etwas davon zu verstehen. Unser Nachbar war sehr alt, genauso wie alle andere im unserem Ort. Ich war überrascht, dass überhaupt noch ein paar Jugendlichen übrig geblieben sind. Man sah sie kaum. Die erste Woche war hart, trotzdem war ich so begeistert. Alles war neu für mich. Am Anfang war ich ziemlich beängstigt, denn Menschen guckten mich manchmal komisch an und ich dachte, dass ich hier nicht so wirklich reinpasse und mich keiner je akzeptieren wird. Aber das änderte sich bald. Als mein Deutsch sich verbesserte, nahm meine Angst vor der Bevölkerung ab und ich fühlte mich nun doch als ein Teil dieser Stadt, die übrigens so unheimlich schön ist, und freundete mich Menschen an. Ich wage es zu sagen:  Ich fühlte mich ein bisschen Zuhause. Natürlich waren wir zwei Jugendlichen sehr oft einsam und planten früher oder später aus dem Ort wegzugehen. Aber es stellte sich heraus, dass,  was am Anfang sehr unfreundlich aussah, sich später als nicht so schrecklich herausstellte. Ich begann auch zu verstehen, was die Menschen oft stört. Man spürt, dass bei den Einwohnern im Osten nicht viel Hoffnung übrig ist. Die Arbeitslosigkeit ist hoch und aufgrund dieses Arbeitsmangels fliehen auch die Jugendlichen. Frustration bildet Menschen, die mit ihrer Realität nicht zurechtkommen wollen, ungebildet zu sein. Dabei stellen sich diese Menschen in eine Ecke. Das habe ich alles gesehen.                        

In dem Sinne denke ich an die guten Menschen Ostdeutschlands, wenn ich diese Artikel über Fremdenfeindlichkeit in Ostdeutschland lese. Ich möchte, dass der Anfang der Geschichte von mir und meinem Erlebnis in Ostdeutschland der folgende ist: Ein Anfang, der nicht einfach war, aber trotzdem unvergesslich und großartig und der mich bis heute stark geprägt hat. Ich erinnere  mich vor allem an die guten Menschen im Osten, die mir geholfen haben, und die für das Gute und die Seele ihrer Umgebung kämpfen. Die möchte ich heute in diesem Beitrag ehren.                 

...ich bin kein Rassist, aber...

...ich bin kein Rassist, aber...

A word of English: German exceptionalism part 1