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Man kann nicht über Antisemitismus reden

Man kann nicht über Antisemitismus reden

Bevor ich nach Deutschland kam, wurde mir gesagt, dass der deutsche Winter für Israelis schwierig ist. Es wurde mir gesagt, dass wenn ich je den Wunsch verspüre, nach Israel zurückzukehren, wäre es im Winter. Letztendlich war mir der deutsche Winter ganz angenehm. Der Schnee war schön und da ich in Russland im Januar davor gewesen war, ware die -14 Grad des deutschen Winters, zu bewältigen. Meine Tiefpunkt im Deutschland kam im Sommer 2014. Im Sommer 2014 brach zwischen der Hamas und dem Staat Israel ein Konflikt aus, dessen Auswirkung in Europa in Form eines gewaltigen Antisemitismus zu spüren waren. Vor dem Sommer 2014 habe ich mich nie in Deutschland nicht willkommen gefühlt und nach jenem Somme wusste ich, dass mein Wohlfühlen in Deutschland sehr abhängig vom Lage im Nahen Osten ist.   

Über meine Erlebnisse im Sommer 2014 möchte ich irgendwann anders im Detail reden. Heute möchte ich über der jetzige Diskussion über Antisemitismus/Antizionismus/Israel-Kritik, die so schön in der Talkshow Maischberger gestern auf ARD diskutiert wurden, reden. Ich finde es sehr passend, dass genau 3 Jahren nach dem Gaza Krieg, ein Film über Antisemitismus so viel Aufruhr in der deutschen Gesellschaft hervorruft. Ich möchte vorab sagen: Ich habe den Film gesehen. Der Film bringt einen wichtigen Aspekt in die Diskussion über den heutigen Antisemitismus, und zwar, dass Antisemitismus in Deutschland viel mit dem Konflikt zwischen Israel und Palästina zu tun hat. Der Film zeigt, wie Antisemitismus von Rechten, Linken, Christen, Moslems und sogar Juden selbst geübt wird. Zudem muss ich auch ganz ehrlich sagen (weil ich GanzErlich bin), dass der Film zwar einseitig ist, aber er ist definitiv nicht einseitiger als die durchschnittliche ARD Doku. Regelmäßig werden Filme über den Konflikt vom Deutschen Fernsehen gedreht, neutral sind sie aber ganz selten. Hier könnt ihr ein Beispiel finden. Ich bin hier aber nicht als Verteidiger dieses Films. Hier stört mir was ganz anders und was ganz mieses. Wie kann es sein, dass Antisemitismus, vor allem in Deutschland im Jahr 2017, zu einer relativierten Meinung geworden ist? Genau das hat mich im Sommer 2014 gestört. Es schien, dass Parolen wie: "Hamas, Hamas, Juden ins Gas" ungestört in Straßen Deutschlands gegenüber Polizisten geschrieen wurden und werden, durch den Konflikt legitimiert werden. Ein Synagoge in Wuppertal in Brande zu setzen sei Ok, solange es als Kritik am Staat Israel interpretiert wird. 

Genau diese Rhetorik fand ich in der gestrigen, lächerlichen Diskussion bei Maischberger wieder. Alle drei israelkritisch Beteiligten: Norbert Blüm, Gemma Pörzgen und Rolf Verleger haben den Punkt der Diskussion total verpasst. Obwohl keiner in der Diskussion gesagt hat, dass Kritik an Israel verboten ist. Es war den drei Beteiligten egal. Ahmend Mansour und Michael Wolffsohn könnten vielleicht drei Sätze zum Problem Antisemitismus in Deutschland sagen, aber das wars dann auch. Anstatt über den Antisemitismus in Deutschland - bei 40% der deutschen Bevölkerung besteht ein israelbezogener Antisemitismus- zu reden, haben Norbert Blüm, Gemma Pörzgen und Rolf Verleger die Diskussion hin zur Israelkritik entführt. Für sie stand nicht im Zentrum, dass heute Juden wegen der Beziehung des Staates Israel verfolgt werden. Dadurch konnte ich dieser Diskussion mit meiner Erfahrung in 2014 verbinden: Wenn von mir als Israeli oder Jude erwartet wird, Israel zu kritisieren und mich für dessen "Verbrechen" schuldig zu bekennen, um persönlich nicht angegriffen zu werden, begegne ich Antisemitismus

Noch einen Punkt muss ich ganz stark betonen. Wenn die ARD nicht mal eine ordentliche Darstellung eines bedeutungsvollen Problems in der deutschen Gesellschaft zu Stande bringt, wie erwartet die ARD dasselbe vom Filmmacher von "Auserwählt und Ausgegrenzt" zu schaffen? Was hat das eigentlich geholfen, drei Israelkritiker in eine Diskussion zu bringen, um über Antisemitismus in Deutschland zu reden? Es scheint mir, sie wollte so eine Diskussion haben. Es ist für die deutschen Medien zu wichtig, die Kritik an Israel zu diskutieren, anstatt die möglichen Ergebnisse einer solchen Kritik. Und manchmal ist Antisemitismus ein Nebenprodukt solcher Kritik.

Im großem und ganzem war ich vom Film und der darauffolgenden Diskussion nicht überrascht. Jedoch hat mich eine Sache aber an der Diskussion richtig schockiert: Als Herr Mansour vorschlug, dass auch muslimische Kinder nach Auschwitz fahren sollen, um mehr über Antisemitismus zu erfahren, antwortete Frau Pörzgen: "Ich finde was ganz wichtig ist, ist eine Multiperspektivität... Ich bin sozusagen nicht der Ansicht, dass die immer alle irgendwie nach Auschwitz fahren müssen."  Zuerst dachte ich, es sei ein Scherz. Aber anscheinend hat Frau Pörzgen es ernst gemeint. Das war das miese Ende zu einer miesen Diskussion. Finden Sie nicht, dass die Ermordung der europäischen Juden etwas ist, wovon wir lernen können, abgesehen von einem Narrativ? Vielleicht genau das lernen, was die Ergebnisse von unkontrollierte Antisemitismus sein können? Anscheinend nicht. Und ich glaube genau hier hakt es am Antisemitismus. Die Geschichte hat uns genau das beweisen, dass Antisemitismus auf Probleme in der Gesellschaft hinweisen kann. Der Jude ist der Prügelknabe, den jeder braucht, um sich selbst besser mit sein Probleme besser zu fühlen. Aber genau wie die Geschichte uns gezeigt hat: Etwas fängt mit Juden an und es endet mit Juden nur ganz selten.    

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