Hi! Ich bin Asaf.

Die bucharischen Juden

Die bucharischen Juden

Stellt euch ein Land vor. Ein Land, das so uralt und bezaubernd ist, dass es die Händler der alten Welt angelockt hat. Ein Land so altmodisch, dass es eines der letzten Orte in dem Sklaverei existierte. Ein Land so isoliert, zu dem der Westen erst Ende des 19. Jahrhunderts in Kontakt trat. Ich rede von Usbekistan und genauer gesagt, meine ich das alte Königreich von Buchara. Jenseits des Kauskaus, über das Kaspische Meer, zwischen der weiten Asiatischen Steppe und den Bergen des Hindukusch liegt ein Land, von dem wir selten etwas erfahren. Dieses alte Land beherbergte eine der uraltesten jüdischen Gemeinden der Welt, fast so alt wie das jüdische Volk selbst. Diesen Beitrag widme ich den bucharischen Juden.   

Die bucharischen Juden

Bucharische Juden sind eine der ältesten jüdischen Gemeinden der Welt. Als der König Babylons, Nebukadnezar II, im 6. Jahrhundert vor Christus die Juden aus Judäa vertrieb, wanderten manche weiter nach Persien. So haben sie sich in Zentralasien angesiedelt und die Gewohnheiten der Einheimischen übernommen.
Die Juden Bucharas hatten friedlich in Zentralasien gelebt, bis die Mongolen im 12. Jahrhundert das Land überfallen haben. Die Mongolen riefen mit der neuen Herrschaft Unsicherheit und Judenlhass innerhalb der usbekischen Bevölkerung hervor. Die Mongolen selbst waren nicht judenfeindlich, im Gegensatz dazu waren die usbekischen Moslems Nomaden, die im 16. Jahrhundert das Land übernommen hatten, radikaler gegenüber den Juden. Die Usbeken zwangen viele Juden zum Islam zu konvertieren und die jüdische Gemeinde ist fast ganz ausgestorben. Dies brachte manche bucharische Juden dazu, im 19. Jahrhundert nach Israel auszuwandern, wo sie sich in Jerusalem im bucharischen Viertel angesiedelt haben. Sch'chunat HaBucharim, das bucharische Viertel existiert bis heute.
Das Emirat Bucharas wurde 1865 vom Zarenreich Russlands erobert und damit wurde neue Hoffnung für die jüdische Gemeinde geschaffen, da mehrere Juden aus dem gesamten Zarenreich nach der Eroberung dorthin gewandert sind. Deswegen gilt nicht jeder Jude usbekischen Ursprungs als bucharischer Jude. Die meisten bucharischen Juden sprechen Russisch, aber die bucharische Sprache ist, aber eigentlich eine Art Persisch geblieben. Die Russen haben die westliche Zivilisation nach Buchara gebracht und im Gegenzug dazu haben die Russen die bucharische Küche bekommen (Fair trade meinetwegen). Genau wie hier in Deutschland der Döner-Kebab gilt der Plov, ein Gericht aus Lammfleisch und Reis, als Lieblingsgericht der Russen (und für mich schmeckt es wie ein Stück vom Himmel).

Was ich daran besonderes schön finde ist, dass ich die moderne Geschichte Bucharas durch das Gedächtnis meines Opas erzählen kann: 
Ende des 19. Jahrhunderts war meines Opas Opa der Erste, der Nähmaschinen nach Taschkent brachte. Das machte ihn zu einem erfolgreichen Schneider. Dies hat aus geschäftlichen Gründen seinen Familiennamen zu Maschiniew geändert (Maschinenmann), das Land war fremd zu Industrie und er war ein Pionier der Maschinen in Taschkent.  Als Folge dessen, hat die Familie eine Baumwollfirma eröffnet und hatte Büros in Moskau und Polen, was sie zum großen Textilhändler Taschkent machte, währenddessen hat der Vater meines Opas die Kontrolle über die das Büro in Taschkent übernommen. Wegen des ersten Weltkriegs und der darauffolgenden Russischen Revolution hat die Familie ihr Geschäft verloren. Was von Räubern nicht gestohlen wurde, wurde vom Kommunisten konfisziert. Meines Opas Vater studierte danach Medizin und eröffnete eine kleine Praxis in Taschkent in den 20er Jahren. Die 30er Jahren waren besonders schwierig wegen der Kolchospolitik Stalins, die zum großen Hunger führten. Alle erwachsenen Männern der Familie nahmen am 2. Weltkrieg teil. Mein Opa erinnert sich an Tag der Einberufung: "Eines Nachts waren die Straßen voller Soldaten und haben alle Männer mitgenommen. Am nächsten Tag waren in ganz Taschkent keine Männer mehr zu sehen, nur Frauen und Kinder sind geblieben. Die Männer waren weg und viele sind nie wieder zurückgekommen." Die minderjährigen Familienmitglieder, darunter mein Opa, konnten die Sowjetunion über den Iran entkommen. Zu jener Zeit war der Grenze mit Iran offen als Folge der Alliierten Anfrage, Polnische Flüchtlinge im USSR zu frei zulassen. Davon erzählte er: "Die Flucht zu ergreifen war auch nicht ohne Risiko. Wir waren einerseits eine Gruppe von Minderjährigen, Jungs und Mädchen, und andererseits waren wir eine Gruppe von alten Menschen. Vergewaltigung war eine konstante Angst bei den Frauen und wir Jungs fürchteten als Zielscheibe eines besoffenen Soldats zu werden. Die russische Soldaten waren oft betrunken, sie waren auch überall und wir waren denen egal. Wir waren Schon im Iran, aber da gab es auch Russen, da sie den Norden Irans 1943 einmarschiert haben. Wir sind an eine Gruppe von Soldaten vorbei gelaufen, die mit einem LKW im Kreis gefahren sind. Einer von denen hat mir befohlen, in den LKW einzusteigen. Sie waren alle betrunken, ich wollte raus, aber sie drohten mir mit Gewalt. Sie fuhren wie Verrückte und haben einen Unfall gemacht, bei dem einer von denen starb. Nur dann konnte ich ihnen entkommen." Die Familie verbrachte ein Jahr in Teheran und wanderte 1944 nach Israel aus. Da die Männer wegen des Krieges in die USSR geblieben waren und aufgrund der Nachkriegsspannungen zwischen Ost und West, war die Familie bis in die 90er Jahre getrennt. Mein Opa hat seinen Vater nie wieder gesehen.

Meine Familie und ich fühlen uns mehr israelisch als bucharisch. Trotzdem finde ich immer ab und zu in meinem Leben kleine Gegebenheiten des bucharischen Daseins. Und es ist gut für mich, dass diese Gegebenheiten sich als köstlichen bucharische Gerichten widerspiegeln. Dafür bin ich enorm dankbar, dass ich mein Heimweh immer bisschen mit einer Teller Plov stillen kann!     

   

 

      

 

  

    

        

 

        

Häftling Nr. 116859

Häftling Nr. 116859

wie macht man Masabacha?

wie macht man Masabacha?